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Eine Einführung von Ina Schoeller, Kuratorin Von den zahlreichen Dürener Sozialstiftungen des 19. Jahrhunderts haben nur wenige die großen politischen und sozialen Umwälzungen des 20. Jahrhunderts überdauert. Sie sind den sozialen Veränderungen, aber vor allem zwei Weltkriegen und Währungsreformen zum Opfer gefallen. Um so mehr freuen wir uns, in diesem Jahr das 150jährige Bestehen unserer Stiftung feiern zu können. Mit dem alliierten Luftangriff am 16. November 1944 auf Düren versank auch die 1852 gestiftete Schenkel-Schoeller’sche Versorgungs-Anstalt „für alte fleißige brave Familien der Gemeinde Düren, die sich nie dem Trunke oder dem Müßiggange ergeben haben“ im Zentrum der Stadt in Schutt und Asche. Es ist der Weitsicht von engagierten Presbytern der Evangelischen Gemeinde zu Düren sowie einer großzügigen Spende der Dürener Industrie in Verbindung mit öffentlichen Zuschüssen zu verdanken, dass die Stiftung nach dem Krieg als Anstaltsstiftung fortgeführt und als Schenkel-Schoeller-Stift vor 50 Jahren in zeitgemäßer Form in Niederau wieder aufgebaut werden konnte. In den vergangenen Jahrzehnten ist bis in die jüngste Zeit hinein das Schenkel-Schoeller-Stift ständig baulich erweitert und modernisiert worden. Vor wenigen Monaten, rechtzeitig zum Beginn des Jubiläumsjahres, ist die Erweiterung der Aufenthaltsbereiche des Pflegeheims fertiggestellt worden. Diese bauliche Maßnahme bildet den einstweiligen Schlusspunkt unter die rege Bautätigkeit der letzten fünfzig Jahre. An den Bauwerken lassen sich die Veränderungen in der Sozial- und Wohnungspolitik in Deutschland vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung ablesen: Die Schenkel-Schoeller’sche Versorgungsanstalt war nach ihrer Gründung neunzig Jahre lang ununterbrochen in einem nach heutigen Begriffen eher bescheidenen Gebäude in der Dürener Innenstadt untergebracht. Auch das erste Gebäude nach dem Zweiten Weltkrieg in Niederau war ein schlichtes Altenheim mit Nebengebäuden in einem allerdings weiträumigen Gelände. Die baulichen Erweiterungen in den sechziger und siebziger Jahren zeugten dann jedoch von einem neuen Altenheimkonzept, verbunden mit neuen Vorstellungen über das Leben im Alter. Durch das wachsende Befürfnis nach individuellem Wohnen auch in einer Alteneinrichtung und durch die gestiegenen Ansprüche an Wohnungskomfort in der Bevölkerung generell entwickelte sich hier in Niederau das Schenkel-Schoeller-Stift zu einer Altenheimanlage mit einer deutlichen Dreiteilung: Ein Altenwohnheim mit Altenwohnungen für diejenigen, die sich noch selbst versorgen konnten, ein Altenheim mit Betreuung, in dem nur gelegentlich und nur kurzfristig gepflegt wurde, und ein Altenpflegeheim mit Mehrbettzimmern. Je größer bei einem ständig ansteigenden Anteil alter Menschen in unserer Gesellschaft die Nachfrage nach sowohl eigenständigem Wohnen einerseits als auch nach Pflegeplätzen andererseits wurde, um so deutlicher wurde auch die Einsicht, diesen Bedürfnissen nur durch neue Baulichkeiten gerecht zu werden. Die großen Neubau- und Umbaumaßnahmen der 80er Jahre sind bauliche Zeugen der neuen Altenpolitik: Größtmögliche Selbstständigkeit und Teilhabe am öffentlichen Leben so lange wie möglich mit Einbindung in den Stadtteil, Öffnung des Hauses nach außen, rehabilitierende und aktivierende Pflege in der Pflegeeinrichtung. Aus „Insassen“ wurden „Heimbewohner“ in möglichst individuellen „Wohnbereichen“. Das Schenkel-Schoeller-Stift erweiterte seine der Geselligkeit und der Kommunikation dienenden Räumlichkeiten um einen Festsaal für kulturelle Veranstaltungen, ein Bewohnercafé, eine Bauernstube für kleinere Festlichkeiten, eine Kegelbahn, eine Bildergalerie, eine Bibliothek, einen Hobbyraum, einen Friseursalon und eine Physiotherapie mit Bewegungsbad. Es wurde Heimat für das Rurlandorchester und den Männergesangverein, für den Cantus Choralis und zeitweilig auch für eine Malschule. Die ständige wachsende Nachfrage nach geräumigeren altengerechten Wohnungen in Düren führte in den neunziger Jahren zu zwei weiteren Bauwerken mit je 16 Wohnungen. Dadurch konnte auch dem kontinuierlichen Ansteigen des Altersdurchschnittes in unseren Einrichtungen entgegengewirkt werden. Das Schenkel-Schoeller-Stift ist ein lebendiges, offenes, in den Stadtteil hinein wirkendes Haus geblieben, obwohl die in den 80er Jahren ausgebauten Angebote von vielen der inzwischen hochbetagten, pflegebedürftigen Menschen im Schenkel-Schoeller-Stift nur noch zum Teil wahrgenommen werden können. Die bisherige Dreiteilung weicht aufgrund der Auswirkungen der Pflegeversicherung seit Mitte der 90er Jahre einer Zweiteilung: selbstständiges Wohnen in Kombination mit der Nutzung der im Schenkel-Schoeller-Stift vorhandenen Angebote einerseits und Wohnen im Pflegebereich in Ein- und Zweibettzimmern andererseits. Vorstand und Leitung des Schenkel-Schoeller-Stiftes sehen es als eine der zukünftigen Herausforderungen für die Stiftung an, diese beiden Bereiche trotz der gesetzlich erfolgten Trennung wieder aneinander anzunähern, damit das Schenkel-Schoeller-Stift weiterhin Heimat und Wohnstätte bleibt, in der im Sinne der Stifterin den älteren Menschen „ein sorgenloses Alter“ bereitet werden kann. Wir feiern das 150jährige Jubiläum ganzjährig mit verschiedenen kulturellen Veranstaltungen, schwerpunktmäßig jedoch Anfang September. Am Abend des 5. September findet die Eröffnung einer Bilderausstellung von Frau Gabriele Plass statt. Am Vormittag des 6. September lädt der Vorstand im Festsaal zu einem offiziellen Festakt ein, in dessen Zentrum ein Vortrag von Professor Dr. Axel Freiherr von Campenhausen zum Thema „Stiftungen als Spiegel bürgerlicher Freiheit“ steht. Höhepunkt der Jubiläumsfeiern ist das ganztägige Stiftungsfest im Park des Schenkel-Schoeller-Stiftes am 7. September 2002. Dazu sind alle Bewohner mit ihren Angehörigen und Freunden, alle Mitglieder der Evangelischen Gemeinde zu Düren, alle Niederauer und Dürener Bürgerinnen und Bürger und alle Mitarbeiter und Freunde des Schenkel-Schoeller-Stiftes in und um Düren herzlich eingeladen. Im Vorfeld des Jubiläumsjahres hatte der Vorstand beschlossen, eine Festschrift herauszugeben, die nunmehr vorliegt. Darin wird an die Anfänge des Schenkel-Schoeller-Stiftes als Schenkel-Schoeller’sche Versorgungsanstalt erinnert, und es wird die Entwicklung der Stiftung und ihrer Einrichtungen im 19. und 20. Jahrhundert vor ihrem zeit- und sozialgeschichtlichen Hintergrund exemplarisch dargestellt. Nicht zuletzt sollen mit dieser Festschrift all jene Menschen gewürdigt werden, die sich in den vergangenen 150 Jahren um die Stiftung und ihre Einrichtungen bemüht und sie mit Leben erfüllt haben. Mein Vorgänger im Amt des Kurators, Dr. Karl Ventzke, der in den vergangenen zwei Jahrzehnten als stellvertretender Vorsitzender des Dürener Geschichtsvereins mehrere historische Ausarbeitungen über das Schenkel-Schoeller-Stift veröffentlicht hat, stand uns als Verfasser dieser Festschrift leider nicht mehr zur Verfügung. Stattdessen konnte Bernd Hahne M.A., ein Bürger von Düren-Niederau, Vorsitzender der Dürener Geschichtswerkstatt und Autor verschiedener Schriften zur Dürener Zeitgeschichte, kurzfristig gewonnen werden. In seinen Händen lag nicht nur die Auswertung der schon vorliegenden historischen Veröffentlichungen, Jubiläumsschriften, Redetexte und Zeitungsartikel über das Schenkel-Schoeller-Stift, die er durch eigene Forschungen ergänzte, sondern auch weitgehend die redaktionelle Bearbeitung des Schrift- und Bildmaterials und die Verantwortung für das Druckwerk. Beratend unterstützt wurde er in seiner Arbeit durch Dr. Karl Ventzke. Des weiteren durch Klaus Höfer, den 1998 in den Ruhestand gegangenen ehemaligen Heimleiter, und durch Gert Materlik, der 40 Jahre lang als Mitarbeiter und später stellvertretender Heimleiter dem Schenkel-Schoeller-Stift angehörte. Aufgrund seiner umfangreichen Materialsammlung konnte letzterer vieles schon fast Vergessene aus dem Heimleben der letzten Jahrzehnte beitragen. Besonders intensive Zuarbeit erhielt Bernd Hahne durch den leitenden Geschäftsführer des Schenkel-Schoeller-Stiftes, Siegfried Räbiger, der ihm grundlegende Ausarbeitungen über die organisatorischen, wirtschaftlichen und rechtlichen Aspekte der Stiftung „Schenkel-Schoeller-Stift“ zukommen ließ. Wichtig war auch die Unterstützung durch die Heimleiterin Heidrun Räbiger, die Herrn Hahne insbesondere die Situation der Pflegebedürftigen und der Pflegemitarbeiter unter den gesetzlichen Bedingungen nach Einführung der Pflegeversicherung erläuterte. Bernd Hahne und allen Beteiligten am Zustandekommen der Festschrift möchte der Vorstand des Schenkel-Schoeller-Stiftes an dieser Stelle seinen Dank aussprechen. Wie die „Kleine Festschrift“ im Jahr 1977 soll auch diese umfangreichere Festschrift zum 150jährigen Stiftungsjubiläum den Bewohnern, Mitarbeitern und Freunden des Schenkel-Schoeller-Stiftes gewidmet sein. Wir wollen in ihr an die vielen Menschen erinnern, die sich in gemeinsam übernommener Verantwortung für den Fortbestand der Stiftung eingesetzt, für das Schenkel-Schoeller-Stift und seine Bewohner gearbeitet und haupt- oder ehrenamtlich das Schenkel-Schoeller-Stift mit Leben erfüllt und zu einer Heimstätte für ältere Mitbürger gemacht haben. Vor 25 Jahren beschrieb der damalige Kurator Dieter Schoeller die Zielsetzung des Schenkel-Schoeller-Stiftes mit folgenden Worten: „Was wir anstreben und verwirklichen wollen, soll den alten Menschen dienen, die sich dazu entschlossen haben, in unserem Heim zu leben. Ihnen möchten wir die mehr oder weniger schwere Last, die im Alter zu tragen jedem von uns auferlegt ist, ein wenig erleichtern. Das ist eine Sache, die sich nicht anordnen oder verwalten läßt. Auch die wissenschaftliche Erforschung der Lebensbedingungen alter Menschen, die in letzter Zeit viele neue Erkenntnisse zutage gefördert hat, kann da nicht allzu viel helfen. – Worauf es ankommt, das wirkt sich aus in vielfältigen und verschiedenartigen Formen menschlicher Beziehungen. Die ganze Heimfamilie im weitesten Sinne ist daran beteiligt. Wo es Freundlichkeit, Heiterkeit, Hilfsbereitschaft und Geduld gibt, da fällt es leichter, sich geborgen zu wissen und auch im Alter das Leben zu bejahen." Ohne die Bedeutung der materiellen Versorgungsleistungen mindern zu wollen, kommt es für den alt werdenden Menschen doch in erster Linie auf die Qualität der menschlichen Zuwendung und Fürsorge an, die er im oft beschwerlichen Alltag erlebt. Deshalb hat das Schenkel-Schoeller-Stift diese Worte von Dieter Schoeller, die auch im Grundstein des Neubaus von 1982 eingemauert worden sind, zum Leitbild des Schenkel-Schoeller-Stiftes erklärt. Möge das Schenkel-Schoeller-Stift in diesem Sinne ein „Ort der Geborgenheit“ sein und bleiben.
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